Neue Formen der Umweltbildung

Mit einer Tauschbörse vor fünf Jahren fing alles an. Damals trafen sich Kölner Garteninitiativen, um ihr Saatgut zu teilen oder gegen Spende abzugeben.

Von Dr. Henrike Viehrig

Von Anfang an ging es dabei um besonderes Saatgut: samenfeste, regionale Gemüse-, Obst- und Blumensaaten, die im Handel kaum zu bekommen sind. Mit den Jahren entstand so ein lebendiger Marktplatz, bei dem auch jenseits von Angebot und Nachfrage klar wurde, dass  die Frage nach dem Saatgut ganz entscheidend dafür ist, wie Nahrung bei uns und anderswo produziert wird und wer davon profitiert.

© Ingrid Gossner

Von der Tauschbörse zum Festival

Um zu zeigen, dass und wie Schrebergärtner auf der einen und Urban-Gardening-Aktivisten auf der anderen Seite das gleiche Ziel verfolgen, taten sich mehrere Garteninitiativen aus Köln zusammen. Ziel war es, gemeinsam Workshops und Seminare anzubieten, die gärtnerisches Wissen mit der globalen Perspektive auf unsere Ernährung zusammenbrachten. Aus der Tauschbörse wurde ein Festival rund um das Thema Saatgut, Ernährung, Nahrungssouveränität, Umweltschutz und Menschenrechten – und die VHS Köln wurde vom Lernort zur Festival-Location.
© Ingrid Gossner

Im Herzen der Stadt und nicht außerhalb

2016 wurde das Saatgutfestival zum ersten Mal im VHS Studienhaus am Neumarkt im Herzen der Stadt Köln veranstaltet. 1.000 Besucher kamen um zu tauschen, zu reden und zu lernen. Für diese Initiative wurde den Gemeinschaftsgärten Köln der 1. Kölner Umweltschutzpreis überreicht.  Auch in 2017, als das Saatgutfestival zum zweiten Mal in der VHS Köln stattfand, konnten wieder über 1.000 Besucher begrüßt werden. Diese fanden ein noch größeres Angebot auf zwei Etagen vor. Von der Wurmkiste über den Bücherstand mit Fachliteratur bis zum Unverpackt-Lebensmittelhändler konnten sich große und kleine Besucher anregen lassen, ihr persönliches Umfeld im Sinne einer nachhaltigeren Lebensweise umzugestalten. Zum Beispiel wurde das Catering von „The Good Food“ übernommen, einem Start-up, welches noch verwertbare Lebensmittel vor dem Wegwerfen rettet. Bei Gemüsegerichten, Waffeln und Kuchen konnten die Besucher zwischen den Workshops neue Energie aufnehmen.
© Ingrid Gossner

Was wir heute entscheiden, bestimmt, wie wir morgen leben

Die Seminare und Workshops reichten von globalen Monopolen und planetaren Belastungsgrenzen bis zur praktischen Saatgutgewinnung und „Social Gardening“. Die komplexen Beziehungen zwischen Saatgut, Umweltschutz, Biodiversität und Menschenrechten waren auch Thema der Abschlussdiskussion. Irene Ofteringer, Fachbereichsleiterin Globales Lernen der VHS Köln, sprach mit Dr. Martin Märkl (Bayer Crop Science), Roman Herre (FIAN Deutschland – „Satte Menschen statt satte Gewinne“) und Anja Banzhaf (Saatgutaktivistin und Autorin „Wer die Saat hat, hat das Sagen“) über die Frage, ob Saatgut ein Menschenrecht ist, warum die Souveränität über die Ressourcen so wichtig ist und was passiert, wenn wenige Konzerne den Preis und den Zugang zu Saatgut kontrollieren. Der Mix aus Fachvorträgen, praktischen Tipps, Unterhaltung und familienfreundlichen Angeboten sowie das offene, interaktive Format einer Tauschbörse zeigte einmal mehr, dass neue Formen der Umweltbildung auch neue Zielgruppen erreichen. Das Konzept, als VHS auf lokale Netzwerke zu setzen und diese zu mobilisieren, halten wir für überaus zukunftsfähig.


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