Die enthemmte Mitte

© Johannes Kiess / Universität Siegen
„Warum haben wir in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr rechtsextrem Denkende?“, fragte eine Teilnehmerin am Abend des 27. Oktober im FORUM Volkshochschule im Kulturquartier am Neumarkt.

Tatsache ist, „dass es hierzulande entgegen der Wahrnehmung nicht mehr Menschen mit rechter Einstellung gibt, jedoch zunehmend Aggressionen gegen Musliminnen und Muslime, Sinti, Roma und Asylsuchende“, so der Leipziger Soziologe Johannes Kiess, der als Co-Autor auf der Veranstaltung „Die enthemmte Mitte“ die gleichnamige und frisch erschienene Studie vorstellte und mit den Gästen diskutierte. Diese repräsentative Studie, die seit 2002 nahezu durchgehend in zweijährigem Rhythmus herausgegeben wird, analysiert autoritäre und rechtsextreme Einstellungen in Deutschland im zeitlichen Verlauf und mit kontinuierlich erweiterten Untersuchungsgegenständen. In der aktuellen Ausgabe wurden Aspekte wie die Bevölkerungsgruppe der Sinti und Roma sowie die Rolle der Partei AfD mit aufgenommen.

„Rechtsextremismus ist längst kein sozial randständiges Phänomen mehr, sondern zieht sich durch alle Gesellschaftsgruppen ungeachtet ihres ökonomischen oder Bildungsstatus“, so Kiess. Dabei zeichne sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den ost- und den westdeutschen Bundesländern ab: „Verstärkter begegnen wir im Osten rechteren Ansichten, auch wenn die Bevölkerung vor Ort wesentlich weniger Berührungspunkte mit Menschen anderer Herkunft hat.“ Nach wie vor seien rechte Einstellungen salonfähig und würden in der Öffentlichkeit immer weniger Tabus brechen.

Zur Wählerentwicklung bemerkte der Soziologe in der Diskussion: „Wer vorher bereits rechtsextrem eingestellt war, wandert nicht nur von der NPD, sondern auch und vor allem von den konventionellen Volksparteien ab zur AfD.“ Dies würde nicht in jedem Fall für einen Rechtsextremismus sprechen, doch sei die populistische und besonders polarisierende Wahrnehmung der Gesellschaft mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen erfolgreich. Auch die Radikalisierung und damit auch die Gewaltbereitschaft haben erkennbar zugenommen. Hier wurde auch die Pegida-Bewegung näher beleuchtet.

Carolin Hesidenz von der Kölner Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus brach die Erkenntnisse aus der Studie auf die Situation vor Ort herunter und bestätigte die Entwicklungen. Dabei wusste sie aus ihrer Arbeit zu berichten: „Köln hat ein Selbstverständnis als tolerante und weltoffene Stadt. Gleichzeitig ist es so, dass viele Menschen, auch wenn sie sozial engagiert sind, diskriminieren, ohne es selbst zu merken.“

Sensibilisierende Trainings und Hintergrundinformationen vermittelnde Veranstaltungen der politischen Bildung würden hier einen Perspektivwechsel herbeiführen können: „Solche Maßnahmen schaffen Vertrauen, wenn sie längerfristig und nachhaltig erfolgen.“

Der Abend im FORUM Volkshochschule fand in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln und Europe Direct statt.

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