Umkämpfte Erinnerungen

© VHS Köln
Diskussion über das geplante Denkmal an der Keupstraße

Was bedeutet ein Denkmal für die Gesellschaft? „Es soll etwas mit den Menschen machen, die uns besuchen an dem Ort, an dem alles passiert ist und an dem wir heute noch leben und arbeiten. Es soll sie informieren, bewegen und sie motivieren, zukunftsgerichtet zu denken und zu handeln.“ Dies ist die Hoffnung von Meral Sahin, Vorsitzende der IG Keupstraße, die an dem Samstagnachmittag im FORUM Volkshochschule am Neumarkt für die Bewohnerinnen und Bewohner der Mülheimer Keupstraße sprach.

Zur Veranstaltung „Umkämpfte Erinnerungen – Diskussion über das geplante Denkmal an der Keupstraße“ kamen viele Menschen aus der Kölner Stadtgesellschaft und der Kommunalpolitik, um sich über den aktuellen Stand der Entwicklungen und die Grundsätze, auf denen die Akteure aufbauen, zu informieren.  Professor Dr. Micha Brumlik aus Frankfurt/Main, der sich bekanntermaßen seit Jahrzehnten mit Erinnerungskultur und der Bedeutung der Zivilgesellschaft in dem Prozess befasst, setzte ein Statement: „Erinnerung muss immer wieder gesellschaftlich hergestellt werden.“ Deutschland sei einmalig in der Erinnerungskultur, und auch hier müsse immer wieder seitens der Zivilgesellschaft „gepusht werden“, um die Politik und somit eventuell auch Investoreninteressen zu bewegen. „Es müssen jedoch alle Beteiligten mit ihren Argumenten und einem langen Atem an einem runden Tisch sitzen, bis eine Einigung auf Augenhöhe herbeigeführt werden kann.“ 

Der Künstler und Urheber des favorisierten Entwurfs für das Denkmal an der Keupstraße, der Berliner Kunstprofessor Ulf Aminde, berichtete vom Prozess der Entstehung seines interaktiven und sich kontinuierlich weiter entwickelnden Mahnmals: „Ich wollte die Bewohner des Ortes erst einmal kennen lernen und war beeindruckt, dass sie selbst so viele Ideen hatten und dass das Mahnmal genau dort installiert werden sollte, wo das Attentat geschehen ist. Doch soll es nicht nur zum Gedenken und zur Trauer errichtet werden, sondern ein Zeichen gegen Rassismus sein. Es soll die Geschichten der Betroffenen erzählen und Besucher einladen, ihre Eindrücke hinzuzufügen und das Mahnmal zu erweitern. Die Wände des Hauses, die aus dem Betonfundament aufgebaut werden sollen, sind virtuell und entwickeln sich.“ Die Stätte soll mit QR-Codes und anderen Mitteln der Information und Interaktion versehen werden, um sie lebendig zu halten, so verdeutlichte Aminde das Konzept der Auseinandersetzung anhand seiner Animation. Streitpunkt im Prozess ist der gewünschte Ort, der auf dem Gelände eines Privatinvestors liegt, der sich für die Diskussion entschuldigt hatte. Meral Sahin bemerkte außerdem: „Das Mahnmal muss so liegen, dass es nicht von einem künftigen sechsstöckigen Gebäude verdeckt wird, das auch die Sicht auf die Keupstraße zu  behindern droht, sodass Menschen an ihr vorbei geführt werden.“ 

Einzelne anwesende Mitglieder des Kölner Stadtrates diskutierten hierzu aus dem Publikum heraus engagiert mit. Ratsmitglied Elfi Scho-Antwerpes warf den Gedanken ein, dass es sich bei dem NSU-Mahnmal auch um eine Angelegenheit des Bundes handeln würde, der finanziell entsprechend unterstützen müsse. Micha Brumlik freute sich über die Diskussion: „Sehen Sie, es kann funktionieren, wenn man gemeinsam auf Augenhöhe und ergebnisorientiert debattiert. In Frankfurt haben wir früher Gebäude und Plätze besetzt. So weit muss es in dieser Sache ja nicht kommen. Man sieht, auch an der Keupstraße, dass Begegnung funktionieren kann.“

 
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